Henna-Tattoos: Urlaubssouvenir mit Nebenwirkung?

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Henna-Tattoos: Urlaubssouvenir mit Nebenwirkung?

Warm muss es sein, trocken und sehr hell, dann wächst und gedeiht der laubtragende Lawsonia inermis Busch. Benannt nach dem im 18. Jahrhundert lebenden Arzt und Mineralogen Isaac Lawson ist der Duft dieser Pflanze im ganzen Orient beliebt und weit verbreitet, aus ihren Blüten  wird Parfum gewonnen. Lawsonia inermis ist die botanische Bezeichnung für den Hennastrauch, den wir vor allem wegen seiner Blätter kennen; getrocknet und zerrieben erhält man ein Pulver, das angerührt im westlichen Kulturkreis vor allem zum Haarefärben genutzt wird, in weiten Teilen Asiens aber für das Bemalen von Händen und Füßen dient: Henna ist ein weitverbreitetes Farbmittel für temporäre Tattoos.

Ob in Nordafrika oder in Indien, die Verzierungen mit Henna sind oft sehr kunstvoll und nicht nur bei Stars wie Madonna beliebt. Gerade auch Kinder finden oft großen Gefallen an den rot-bräunlichen bis schwarzen Mustern auf Händen und Füßen, die nach einigen Wochen von selbst wieder verblassen. Henna selbst ist dabei harmlos, in Untersuchungen stellte sich sogar eine keimhemmende Wirkung heraus. Problematisch sind aber viele der Zusatzstoffe, die Henna oft beigemengt werden.

Kontaktallergien bei Temptoos und Henna-Tattoos

Diese Zusatzstoffe, die hinzugefügt werden, um den Farbton abzudunkeln und die Trockenzeit zu verkürzen, können sogenannte Kontaktallergien auslösen. Allergische Reaktionen wie Juckreiz bis hin zu Ekzemen treten auf, wenn die Haut in Berührung mit einem sie reizenden Stoff kommt, wie dem PPD, dem Para-Phenylendiamin.

Prof. Dr. med. Thomas Fuchs, Hautarzt an der Universitätsklinik Göttingen, berichtet, dass solche Kontaktekzeme mehrere Wochen lang auftreten können und die Hautstelle auch danach noch länger heller bleibt, da sich die Pigmentdichte der Haut vorübergehend verringert. Er rät dazu, umgehend einen Hautarzt aufzusuchen, wenn ein Henna-Tattoo sich rötet und Juckreiz einsetzt. (vgl. Interview mit Prof. Dr. med. Thomas Fuchs, ADK 2011)

Das temporäre Tattoo (temp-too) mit Henna verblasst eigentlich nach einigen Wochen wieder, da die Farbe nur aufgemalt wird und nicht, wie bei einem richtigen Tattoo, in die zweite Hautschicht eingestochen wird. Wer sich eine Tätowierung entfernen lassen möchte, der muss zum Lasertherapeuten gehen, bei Henna-Tattoos muss man eigentlich nur abwarten, bis die Farbe verblasst – außer es ergeben sich Komplikationen aufgrund allergischer Reaktionen.

Henna und PPD, Para-Phenylendiam

PPD ist eine Chemikalie, mit der dunkel gefärbte Schuhe, Pelze und andere Kleidungsstücke behandelt werden. In Europa darf PPD keinerlei kosmetischen Mitteln beigemischt werden, da es als ein hochgradig sensibilisierender Stoff gilt, das heißt, wer zum zweiten Mal mit PPD in Berührung kommt, reagiert mit großer Wahrscheinlichkeit allergisch auf PPD. Das Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR,  hatte daher bereits 2007 zum wiederholten Male vor Hennatattoos gewarnt. In manchen Fällen treten die allergischen Reaktionen auf PPD auch erst auf, wenn das Tattoo bereits verblasst ist, meist aber bereits nach einigen Tagen. Und selbst, wer aufs erste Henna-Tattoo nicht reagiert: die Sensibilisierung auf PPD bleibt lebenslänglich, und da der Stoff auch in schwarzen Lederprodukten und anderen Textilien steckt, ist es gar nicht so einfach, ihm zu entgehen.

Wer sich im Urlaub in Indien oder Nordafrika nicht absolut sicher ist, ob der Hennafarbe nicht auch PPD zugesetzt ist, der sollte besser tattoolos bleiben…

Bild: Lawson inermis Illustration von Francisco Manuel Blanco (Quelle: wikimedia, gemeinfrei)

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