Haut – Aufbau und Funktion

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Eine wesentliche Rolle beim Tätowieren wie bei der Tattooentfernung spielt die Konsistenz der Haut. Diese ist bei jedem Menschen etwas anders – gerade wie man auf Tattootinte oder auf den Laser reagiert kann variieren. Der Aufbau der Haut und ihre Funktionen sind aber erstmal gleich. Als Lasertherapeut muss man die Grundzüge dieses Aufbaus kennen.

Die Haut als Schutzmantel

Quasic on flickr CC BY SA 2.0Die Haut ist das größte menschliche Organ. Sie umhüllt den Menschen komplett und definiert damit Innen und Außen. Ihre wichtigste Aufgabe ist der Schutz vor Umwelteinflüssen jeglicher Art, ob Hitze, Kälte oder Strahlung. Gleichzeitig verhindert die Haut den Verlust von Wasser und Wärme, schützt uns bei Reibung, bei Druck und bei Stößen und bewahrt uns vor dem Eindringen von Mikroorganismen sowie vor chemischen Schädigungen. Durch ihren Säureschutzmantel – dem ph-Wert von ungefähr 5,5- wirkt die Haut aktiv gegen das Eindringen von Keimen in unseren Organismus.

Weitere Aufgaben der Haut

Neben dieser Schutzfunktion ist die Regulation von Kreislauf und Körperwärme sehr wichtig. Das passiert über die Durchblutung der Haut und durchs Schwitzen. So wie wir Wasser über die Haut abgeben können, können wir auch gewisse Wirkstoffe über die Haut aufnehmen. Dieser Vorgang läuft unbemerkt von uns ab. Berührungen sind uns dagegen meist sehr deutlich bewusst, denn die Haut ist auch das größte Sinnesorgan des Menschen. Über Rezeptoren fühlen, spüren und ertasten wir Temperatur- und Druckreize. Einige Reaktionen auf solche Reize können wir auch über die Haut ausdrücken. Manche Menschen erröten, wenn ihnen etwas peinlich ist, manchen weicht das Blut aus dem Kopf, wenn sie schlechte Nachrichten übermittelt bekommen und auch das Haare sträuben oder Gänsehaut sind mögliche Ausdrucksmittel der Haut, die aber auch auf subtilerer Ebene – über Pheromone, also Duftstoffe, kommunizieren kann.

Um all diesen unterschiedlichen Aufgaben und Funktionen gerecht zu werden, verfügt die Haut über ausgefeilte Reparaturmechanismen. Sobald ein Schnitt, ein Riss oder eine Abschürfung vorliegt, rückt ein ganzes Team aus unterschiedlichen Zellen an. Ein Teil der Zellen ist bereits in der Haut vorhanden, ein anderer Teil des Zellteams muss erst über das Blut angeliefert werden. Auch bei der Schorfbildung im Zuge einer Tattoentfernung funktioniert der Heilungsprozess über diese Reparaturteams.

Die Schichten der Haut

Insgesamt ist die Haut wie eine Zwiebel aufgebaut. Über mehrere Schichten finden sich unterschiedliche und für die jeweilige Hautschicht typische Zellstrukturen, die bestimmte Aufgaben übernehmen.

Grafik Aufbau Haut Universität Wien - wikimedia CC BY SA 2.0 at

Von außen nach innen betrachtet (oder wie in der Abbildung: von oben nach unten) besteht die Haut (gr. derma oder lateinisch Cutis) aus:

  1. Epidermis oder Oberhaut
  2. Dermis oder Lederhaut
  3. Subcutis oder Unterhaut

Unter der Unterhaut befinden sich die Faszien, eine Schicht von Kollagenfasern, die sehr fest sind und die Haut nach innen abgrenzt.

Die Epidermis

Die Oberhaut besteht aus fünf verschiedenen, gefäß- und nervenfreien Hautschichten. Diese fünf Schichten sind die Hornschicht (Stratum corneum, deren oberste Schicht das stratum disjunctum ist), die Glanzschicht (stratum lucidum), die Körnerzellschicht (stratum granulosum), die Stachelzellschicht (stratum spinosum) und die Basalschicht (stratum basale).

Horn-, Glanz- und Körnerzellschicht, also die oberen drei, setzen sich aus verhornten, abgestorbenen Zellen zusammen. Diese drei Schichten sorgen gemeinsam für die stete Erneuerung der Haut. In ihnen bilden sich Hornzellen, die schließlich bis zur obersten Schicht geschoben und kontinuierlich abgestoßen werden. Der Mensch “häutet” sich in weniger als einem Monat, nämlich in 27-Tageszyklen – das ist öfter als eine Schlange ihre Haut wechselt. Deshalb müssen Tattoos auch in die Dermis gestochen werden, da sie wegen der Hauterneuerung sonst in kürzester Zeit verschwinden würden. Die beiden untersten Schichten der Epidermis, Stachelzell- und Basalschicht bilden sich aus lebenden Zellen. Wird die Haut verletzt werden ausgehend von der Basalschicht neue Hautzellen gebildet, die sich nach und nach über die heilende Wunde schieben.

Die Dermis

Die Lederhaut wird so genannt, weil aus ihr beim Gerben Leder entsteht. In diese Schicht wird die Tattoofarbe eingebracht. Sie ist sehr elastisch, da sie zu großen Teilen aus locker verwobenem Bindegewebe besteht. Aufgaben der Dermis sind die Belieferung mit Nährstoffen und Halt für die Epidermis. Haarbläschen, Schweiß-, Duft- und Talgdrüsen befinden sich ebenfalls in der Dermis, die auch  aus mehreren Schichten besteht, aus einer Zapfen- (stratum papillare) und einer Netzschicht (stratum reticulare).

  • Zapfenschicht

Die Papillen der Zapfenschicht sind eng mit der Basalschicht der Epidermis verbunden. Durchzogen von feinen Blutgefäßen, den sogenannten Kapillaren, beliefern sie die Epidermis mit Nährstoffen. Hier sitzen auch die Sensorzellen für Wärme, Kälte und der Tastsinn der Haut. Auch das Lymphsystem und damit ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems nimmt hier seinen Anfang. Lymphe heißt die Flüssigkeit, die beim Austritt von Blutplasma aus den Blutgefäßen entsteht. Sie sammelt sich in den Lymphgefäßen bzw. dem Lymphsystem und wird über die Lymphknoten wieder ins Blutsystem zurückgeführt. In den weiten Zellzwischenräumen, dem mit einer geleeartigen Flüssigkeit gefülltem Interstitium, können sich die unterschiedlichen Zelltypen frei bewegen. Neben den Lymphozyten tummeln sich hier noch viele andere Zelltypen wie Fibroblasten, Mastzellen, Makrophagen oder Plasmazellen. Sie alle sind wichtig für die Wundheilung und bei Entzündungen.

  • Netzschicht

Zusammengehalten wird alles von der Netzschicht, in der es weniger freie Zellen gibt. Stattdessen bilden Kollagenfasern ein dichtes Netz, das parallel zur Körperoberfläche verläuft. Gefüllt ist das Netz mit elastischem Bindegewebe. Dieses Zusammenspiel von Kollagenfasern und Bindegewebe sorgt für die elastische Festigkeit der Haut. Bindegewebe und Kollagenfasern richten sich dabei auf charakteristische Weise in bestimmte Richtungen aus. Daraus ergeben sich die sogenannten Langerschen Spaltlinien, die die Richtung der geringsten Dehnbarkeit der Haut markieren. Bei Operationen wird versucht Schnitte entlang dieser Linien zu setzen, da man so klaffende Wunden und  perative Schnitte werden, wenn möglich, entlang dieser Linien gesetzt. So werden klaffende Wunden und wulstige Narben verhindert.

Die Unterhaut

Die Subcutis ist vor allem lockeres Bindegewebe, in das wie kleine Kissen Fettpolster eingelagert sind. Die Ausläufer der festen Kollagenfasern aus der Dermis, die in der Körperfaszie verankert sind, übernehmen die Funktion von Haltebändern. Gleichzeitig verbinden sie die Schichten mit dem darunter liegenden Gewebe. Arbeitet ein Tätowierer ungenau und sticht die Tattoonadel zu tief, dringt Tattootinte in diese Hautschicht ein. Bei der Tattooentfernung bleiben in diesem Fall Farbpunkte übrig.

Die Körperfaszie, feste Kollagenfasern, trennt die Haut von Muskulatur, Knochen, Knorpel oder Fett.

Die Haut und der Alterungsprozess

Wenn man älter wird, beginnen Tattoos oft zu “zerlaufen”, die Haut verliert an Festigkeit und an Elastizität und es kann passieren, dass Tätowierungen dadurch ihre Form verlieren. Das hängt mit dem Alterungsprozess der Haut zusammen. Je älter man wird, desto schlechter wird die Nährstoffversorgung der Haut und so ändert sich der Aufbau der einzelnen Hautschichten. Sie werden dünner, Fettschichten,  Kollagenfasern und elastische Fasern werden weniger. Das führt zu einer höheren Verletzungsanfälligkeit der Haut und schlechterer Wundheilung. Bei der Tattooentfernung muss man daher nun noch vorsichtiger sein.

Vgl. dazu auch Medizinfo oder Wikipedia

Foto: Back – Ripton Scott on flickr CC BY SA 2.0

3 Kommentare

  1. karsten sagt:

    jeder der den aufbau der haut kennt und sich darüber im klaren ist, das die haut jeden einzelnen schützt und das wohlbefinde und die gesundheit unterstüzt, wir sich keinem stress aussetzen und sich ein tattoo stechen lassen.

  2. Letzter Ausweg Laser - Laserbehandlung, Tattooentfernung | tattoolos® - Tattooentfernung via Laser - Ratgeber, News und Anwendungen sagt:

    […] Tätowierungen werden tatsächlich richtig gestochen, allerdings nicht so tief in die Haut wie ein klassisches Tattoo – statt in die zweite Hautschicht, die Dermis, versucht der […]

  3. Cover Up Tattoo-Aufbereitung: aus alt mach neu! | tattoolos® - Tattooentfernung via Laser - Ratgeber, News und Anwendungen sagt:

    […] auch der zeitliche Abstand zwischen der letzten Laserbehandlung und dem neuem Tattoo. Damit die Dermis (zweite Hautschicht) genügend Zeit zur Regeneration bekommt, empfehlen wir nach der letzten […]

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