Ärzteblatt warnt vor gesundheitlichen Komplikationen durch Tattoos

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Niemand weiß genau, wie oft es zu medizinischen Komplikationen nach Tätowierungen kommt. Wissenschaftler kritisieren die mangelnde Studienlage zur Thematik. Das Deutsche Ärzteblatt widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe mit mehreren Fachartikeln verschiedenen Risiken von Tätowierungen. Die Quintessenz wird Tattoo-Freunde wenig erfreuen.

Ein Team des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) unter Leitung von Prof. Dr. med. Sascha Al Dahouk wertete in der Fachliteratur beschriebene Komplikationen nach Tätowierungen aus. Zwischen 1984 und 2015 fanden sie 67 Fälle, die verschiedene Krankheitsbilder infolge bakterieller Infektionen hervorriefen – vom Hautabszess bis zur Herzmuskelentzündung. Zahlreiche Bakterienerreger fanden sich in Tattoofarben. Die Zahl klingt zunächst nicht viel. Doch um sie einordnen zu können, muss man wissen, dass es keine generelle Meldepflicht für diese Art von Komplikationen gibt. Bei einem Anteil von zehn bis 20 Prozent tätowierter Menschen in der westlichen Welt muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Ärzte des Berliner HELIOS Klinikums Emil von Behring beschreiben – mit dessen Einverständnis – einen Fall eines Patienten, der kurz nach einer Tätowierung am Unterarm wegen einer schweren anaphylaktischen Reaktion in die Notaufnahme eingeliefert werden musste. In den im Nachhinein untersuchten Tattoofarben fanden sich unter anderem Mengen von Formaldehyd, Nickel, Kobalt, Mangan, Cadmium und Antimon. Als Grund für die eingetretene lebensbedrohliche Situation halten die Mediziner einen „Kombinationseffekt zwischen Konservierungsmittel und den metallischen Verunreinigungen für sehr wahrscheinlich.“ Glücklicherweise hat der Patient das Ereignis überstanden. Noch im Krankenhaus schwor er sich, sich nie wieder tätowieren zu lassen…

Es überrascht wenig, wenn die Forscher davon ausgehen, dass Hautinfektionen infolge unsachgemäßer Tätowierungen zunehmen werden. Ihrer Meinung nach werden wichtige Risikofaktoren wie bestimmte Vorerkrankungen und unzureichende hygienische Maßnahmen unterschätzt. Sie plädieren dringend für verbindliche Qualitätsstandards für Tätowiermittelhersteller, Tattoo-Studios und Tätowierer sowie für eine bessere Aufklärung über Gesundheitsrisiken durch Ärzte und medizinische Fachkräfte – vor einer Tätowierung.

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