Welche Religion erlaubt ein Tattoo?

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Wie wichtig sind Äußerlichkeiten für den Glauben.

Religionen sind immer auch mit Gesetzen und Regeln verbunden, die jedem Gläubigen vorschreiben, wie er als frommer Mensch leben müsste und wie er sich gegenüber seinen Mitmenschen innerhalb seiner Religionsgemeinschaft verhalten sollte, wenn er dann ein strenger Christ, Muslime oder Buddhist sein möchte. Doch was sagen die Gebote zum Thema Tattoo? Wo ist es erlaubt, geduldet, oder tabu?

Das Tattoo war seit jeher Gegenstand lebhafter Diskussionen in allen Gesellschaften und allen Kulturen. Betrachtet man das Tattoo unter religiösen Gesichtspunkten, so sind Mode und Zeitgeschmack zweitrangig. Hier geht es in erster Linie um religiöse Gebote und religiöse Schriften, die dem Tattoo seine Legitimation erteilen oder entziehen. Eines kann man vorwegnehmen: Die allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Dafür gibt es mindestens so viele Meinungen wie es Religionen und religiöse Lebensformen und Denkweisen gibt. Unzählige. Es ist daher sinnvoll sich zunächst auf die wichtigen Weltreligionen Christentum, Islam, Buddhismus und das Judentum zu konzentrieren.

Für den Christen spricht, zumindest aus Sicht der Bibel, nichts dagegen, sich tätowieren zu lassen. Von Geistlichen wird auf Nachfragen gern die folgende Bibelstelle zitiert: „Gott ist kein Gott der Äußerlichkeiten sondern des Herzens (1. Samuel 16,7). Auf diesen Satz kann sich jeder tätowierte Christ berufen.

Im Islam sieht es hingegen anderes aus: Muslime sehen das Tätowieren als eine Übertreibung bei der “Verschönerung” an. Weiterhin ist man der Auffassung, dass der von Allah geschaffene Körper durch eine Tätowierung dauerhaft verändert wird, was nicht sein darf. Im Islam gebraucht man in diesem Zusammenhang den Begriff „haram“, was aus dem arabischen frei übersetzt so viel bedeutet wie „verboten“ oder „tabu“. Der bedeutende islamische Gelehrte Al-Buchārī sagt hier zu: „..verfluche den, der tätowiert, und den, der tätowiert wird.“ Somit ist klar:  Einem gläubigen Muslim ist das Tätowieren nicht erlaubt.

Im Buddhismus, mit seinen unterschiedlichen Formen, ist die Frage, ob ein Tattoo erlaubt ist oder nicht, nur differenziert zu beantworten. Von den Tibetern werden Tattoos, speziell mit buddhistischem und religiösem Inhalt, abgelehnt. Hier bringt man buddhistischen Schriften, Symbolen, Mantren, Bildern viel Respekt entgegen. Eine Tätowierung dieser Motive auf die eigene Haut ist für die meisten Tibeter ausgeschlossen. Anderseits gibt es Formen des Buddhismus, wo das religiöse Tattoo als Zeichen der Zugehörigkeit zum Buddhismus verstanden wird.

Ganz klar lässt sich die Tattoo-Frage wiederum für das Judentum beantworten: Hier gilt eindeutig: Die Tätowierung ist im Judentum verboten. Belegt ist das in der Weisung, in Levitikus 19, 28, wo steht. “Eingeätzte Schrift sollt ihr an euch nicht machen”. Wer dennoch eine Tätowierung am Körper trägt, kann das Tattoo entfernen lassen. Einige Rabbiner sehen die Tattooentfernung sogar als eine Möglichkeit der Umkehr, die jeder gläubige Jude wahrnehmen sollte.

Dank dem Fortschritt bei der Entwicklung medizinischer Lasersysteme, wie dem Nd:YAG Laser, stellt eine Tattooentfernung zumindest technisch kein Problem dar. Erfahrene und gut ausgebildeten Lasertherapeuten gelingt es bereits nach wenigen Sitzungen, je nach Größe des Motivs, ein Tattoo schmerzarm und narbenfrei zu entfernen. Vorher sollte man jedoch unbedingt ein umfangreiches Aufklärungsgespräch und eine Probehandlung in Anspruch nehmen. Beides bieten seriöse Laserstudios selbstverständlich kostenlos an.

Ob man sich nun auf Grund des eigenen Glaubens prinzipiell für ein Tattoo oder für eine Tattooentfernung entscheidet, ist eine ganz private Angelegenheit. Diese Frage kann jeder nur für sich alleine beantworten. Dabei darf man nie vergessen: Am Ende geht es doch hier nur um Äußerlichkeiten. Oder?

Autor: Robert Schütz

1 Kommentar

  1. Stephan Blegitz sagt:

    Ach das ist ja interessant, dann könnte ich mich ja aus religiöser Sicht durchaus tätowieren lassen; ästhetisch betrachtet sieht das schon wieder anderes aus. Zumindest muss ein Christ sein Tattoo nicht entfernen lassen, das spart Zeit, Kosten und schmerzen.)

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