Tattoos in Japan: „Damit kommst du nicht ins Onsen rein“

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Junge japanische Frau badet in OnsenBei Onsen handelt es sich um aus vulkanischen Quellen gespeiste, heiße Bäder. Sie gehören für viele Japaner zur Entspannungskultur nach der Arbeit. Aber auch Touristen genießen bei einem Besuch die gesundheitsfördernde Tradition.

„Tätowierte Gäste haben leider keinen Zutritt“, warnen mehrsprachige Schilder gleich am Eingang. Jahrzehntelang wurden Gäste mit sichtbaren Tätowierungen auf ihrer Japanreise der Zugang zu fast allen Onsen, den traditionellen japanischen Badehäusern, versagt. Hier galt ein striktes Tattooverbot. Unabhängig davon, ob es sich um ein Mini-Herz im Nacken oder ein traditionell japanisches Wabori-Tattoo handelte, das den ganzen Rücken zum Kunstobjekt macht.

Vor zwei Jahren machte der Fall einer neuseeländischen Wissenschaftlerin Schlagzeilen. Dieser blieb wegen ihres traditionellen Maori Stammes-Tattoos im Gesicht der Eintritt zu einer heißen Quelle untersagt. Das sei kulturelle Diskriminierung, schimpfte die Weltpresse. „Selbst wenn es eine Stammestradition ist, können andere Besucher das nicht von Yakuza-Tattoos unterscheiden“, rechtfertigte der Betreiber sein Zutrittsverbot.

Bedeutung von Tattoos in Japan

In Europa sind Tattoos meist Körperverzierungen, ein Spiel mit Zeichen, das in der westlichen Welt vor allem als Ausdruck von Individualismus verstanden wird. In Japan dagegen haben Tattoos eine andere Bedeutung. Sie stehen für die Zugehörigkeit zur Yakuza, den japanischen Verbrechersyndikaten, und entfalten eine ungeahnte Wirkung, was für tätowierte Urlauber sehr unangenehm werden kann.

Angesichts der gestiegenen Besucherzahlen ausländischer Gäste beginnt allerdings ein langsames Umdenken. Bei vielen Touristen steht ein Besuch der traditionellen japanischen Quellen, den Onsen, hoch im Kurs. Diese heißen Mineralquellen sind Balsam für Leib und Seele und oft landschaftlich wunderschön gelegen. Stundenlang erholen sich Japaner hier vom stressigen Alltag, und auch viele Touristen haben Geschmack an der uralten Tradition gefunden.

Japans Behörden setzen sich für eine Liberalisierung ein

Die japanische Tourismusbehörde (Japan Tourism Agency) hat bereits im letzten Jahr öffentlich von den Betreibern japanischer Badehäuser gefordert, auch den ausländischen Gästen mit Tattoos den Zutritt zu gestatten. Verbindlich sei die Bitte zwar nicht und sie gilt auch nicht für tätowierte Japaner, sie stellt aber einen tiefgreifenden Wandel in der hochgeschätzten japanischen Badekultur dar.

Ausländische Gäste haben in der Vergangenheit häufig ihren Unmut über die strikte Regelung geäußert und sich bei japanischen Reisedienstleistern massiv über das Verbot beschwert. Als Reaktion darauf und im Hinblick auf die Olympischen Spiele im Jahr 2020, hat auch die japanische Regierung im Februar einer Erklärung zugestimmt, nach der die Betreiber öffentlicher Bäder auch tätowierten Gästen den Einlass gewähren sollen.

„Können wir unter diesen Umständen wirklich weiterhin Tattoos in Japan verbieten? Ich glaube, wir müssen neue Regeln einführen“, findet Yoshiharu Hoshino, Betreiber von 33 Luxusherbergen mit heißen Quellen. Ab Oktober 2017 werden die Mitarbeiter seiner Onsen deshalb wasserfeste Sticker austeilen, mit denen kleinere Tattoos während des Badens abgeklebt werden können. Ganzkörpertätowierungen bleiben allerdings weiterhin tabu. Eine pragmatische japanische Lösung zum Spagat zwischen Tradition und Moderne?

Titelbild – ©istockphoto.com/Tomwang112

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