Neues Strahlenschutzgesetz: Geplante Verordnung gefährdet Patientenversorgung

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Neues Strahlenschutzgesetz: Ist Tattooentfernung noch zulässig?

Volle Wartezimmer; Probleme, einen Facharzttermin zu bekommen; Ablehnung neuer Patienten;
keine Patientenbehandlung nach der Erschöpfung des Budgets – dies ist schon jetzt Realität im
deutschen Gesundheitswesen.

Das neue Strahlenschutzgesetz und insbesondere die geplante „Verordnung zur weiteren
Modernisierung des Strahlenschutzrechts“ wird die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung,
insbesondere durch Fachärztinnen und Fachärzte, gravierend verschlechtern.

Nur ein Arzt soll Tattooentfernung durchführen dürfen

Nach Einführung der Verordnung im neuen Strahlenschutzgesetz wird die
Anwendung kosmetischer Laser und intensiv gepulster lichttherapeutischer Geräte nur noch von
Fachärzten/Fachärztinnen für Hautkrankheiten oder für plastische/ästhetische Medizin zulässig sein.

Hieraus resultiert, dass die Tattooentfernung und andere ästhetische laserbasierte Dienstleistungen
nur noch durch spezialisierte Fachärzte (Dermatologen, Chirurgen) durchgeführt werden dürfen.

Dies ist weder vereinbar mit der grundrechtlich geschützten Berufsausübungsfreiheit, noch erhöht es
die Patientensicherheit. Stattdessen gefährdet sie die medizinische Versorgung der Patienten und
verschärft den jetzt schon bestehenden Fachärztemangel und die daraus resultierenden langen
Wartezeiten für Patienten bei der Fachärztin oder dem Facharzt. Der jetzt schon übliche
„Patientenstopp“ wird sich verfestigen und eine Zweiklassenmedizin begünstigen, nur noch
zuzahlungswillige Patienten haben realistische Chancen auf eine schnelle und ausführliche
Behandlung.

Neues Strahlenschutzgesetz verteuert Tattooentfernung drastisch

Ein weiterer negativer Effekt ist, dass es schwieriger und um ein Vielfaches teurer sein wird, sein
Tattoo entfernen zu lassen. Wenn man bedenkt, dass a) manche durch ihr Tattoo psychisch
beeinträchtigt oder gesellschaftlich benachteiligt werden und b) viele WissenschaftlerInnen
glauben, dass Inhalte der Tattoofarben nach Jahren auf „Wanderschaft“ durch den Körper
gehen, ist dies sehr bedenklich. Es sollte ein Recht auf zeitnahe und preiswerte Tattooentfernung für
die betroffenen Menschen geben.

Zweck der Verordnung zweifelhaft

Neues Strahlenschutzgesetz erlaubt nur noch Ärzten die Tattooentfernung.

Zudem ist der Zweck dieser Verordnung höchst zweifelhaft. Begründet wird sie u.a. mit möglichen
Nebenwirkungen bei einer Tattooentfernung: u.a. Ödeme, Krustenbildung, Hyper- und
Hypopigmentierung sowie Narbenbildung.

Grundlage für die neue Verordnung ist eine Untersuchung der aproxima Gesellschaft für Markt und
Sozialforschung Weimar mbH und deren Abschlussbericht.

Die Deutsche Gesellschaft für EU Konformität (DEGEUK) zieht gänzlich andere
Schlussfolgerungen zu Risiken und Nebenwirkungen aus diesem Abschlussbericht, als es die an
der Ausarbeitung des Gesetzes Zuständigen tun, das Schreiben der DEGUK hierzu liegt uns vor. Eine
kurze Zusammenfassung der wichtigsten Argumente der DEGEUK:

  • bei Vergleichsuntersuchungen ist aufgefallen, dass bei der ästhetischen Laserbehandlung
    durch Ärzte sowohl vorübergehende als auch bleibende Nebenwirkungen öfter auftreten als
    bei der Behandlung durch erfahrene nichtärztliche Anbieter
  • nichtärztliche Anbieter sind oft mit der besseren Lasertechnik ausgestattet, sind umsichtiger
    bei der Geräteauswahl und versierter in der Einstellung der
  • die häufigste Ursache für unerwünschte Nebenwirkungen ist ein falsches Patientenverhalten
  • die einer Behandlung vorausgehenden Beratungsgespräche sind bei nichtärztlichen Anbietern
    in der Regel umfassender
  • nichtärztliche Anbieter bieten signifikant öfter eine Probebehandlung an
  • außer bei der Haarentfernung konnte der Abschlussbericht keine statistisch abgesicherte Zahl
    von Nebenwirkungen nachweisen
  • die Kundenzufriedenheit ist hinsichtlich des Ergebnisses und der Beratung bei den
    nichtärztlichen Anbietern höher

Die Deutsche Gesellschaft für EU Konformität folgert: „Der Wunsch des Gesetzgebers, die
Bevölkerung vor Gefahren zu schützen, hat mit dieser Verordnung das Potenzial, genau das
Gegenteil zu erreichen“.
(Zitat aus dem Schreiben der Deutschen Gesellschaft für EU Konformität an das Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit vom 11. September 2018)

Im Übrigen entsprechen die Schlussfolgerungen der Deutschen Gesellschaft für EU Konformität auch
unseren Erfahrungen. Wir als nichtärztlicher Anbieter legen viel Wert auf technische Ausstattung,
Ausbildung unserer Mitarbeiter und ausführliche Beratung unserer Kunden.

Daten und Fakten zur Tattooentfernung und der medizinischen Versorgung

Daten und Fakten zur Tattooentfernung und der medizinischen Versorgung in Deutschland zu Ihrer
Übersicht:

Der Markt der Tattooentfernung wächst stetig. Laut einer Umfrage des Statistik-Portals Statista im
Jahr 2017 haben 10% der über 18-Jährigen mehrere Tätowierungen. Weitere 14% haben ein
Tattoo. Expertenschätzungen gehen von bis zu 12 Millionen tätowierten BürgerInnen in
Deutschland aus.

Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus dem Jahr 2014 zeigten sich ca.
10% der Tätowierten unzufrieden mit ihrer dauerhaften Hautbemalung. Dies heißt für 2018 ein
Behandlungsvolumen von 1,2 Millionen Patientinnen und Patienten bei der Laser-
Tattooentfernung. Angesichts des anhaltenden Tattoo-Booms ist die Tendenz steigend!

Tattooentfernung durch den Arzt: Heilauftrag durch Fachärzte nicht mehr durchführbar

Neues Strahlenschutzgesetz: Was ändert sich dadurch?

In Deutschland gibt es 4.493 FachärztInnen für Hautkrankheiten. Davon arbeiten lediglich 25% der
Dermatologinnen und Dermatologen mit einem Laser. 1.200 Ärzte sind bereits über 60 Jahre alt.

Letztere werden kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr in
neue, kostenintensive Laseranlagen investieren. Dermatologinnen und Dermatologen wären zu 100 %
mit der Entfernung von Tätowierungen und Permanent-Make Up befasst und komplett ausgelastet.
Der ihnen obliegende Heilauftrag wäre unerfüllbar.

Des Weiteren gibt es in Deutschland 35.893 approbierte MedizinerInnen. Davon wiederum arbeiten
5% mit einem Laser. Selbst wenn man diese Berufsgruppe hinzurechnet, wären ÄrztInnen und
Dermatologinnen und Dermatologen 5,5 Stunden ihres Tages mit der Tattooentfernung
beschäftigt. Zumal der Arzt lt. der Verordnung auch die Vor- und Nachsorge selbst durchführen
muss. Verschärfend kommt hinzu, dass ein Delegieren der Aufgaben bei der Tattooentfernung an
medizinische MitarbeiterInnen dann nicht gestattet ist. Und das obwohl medizinisch ausgebildetes
Personal etwa Spritzen geben, Blut abnehmen und viele weitere die Haut verletzende Maßnahmen
ergreifen darf. Ein Grund für das Delegationsverbot ist nicht ersichtlich.

Zuspitzung der Versorgungssituation durch Fachärzte und des Patientenstopps

Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang ist die Budgetierung der Fachärztinnen und
Fachärzte. Es ist allgemein bekannt, dass deren Jahresbudget weit vor Jahresfrist erschöpft ist. In der
verbleibenden Zeit behandeln sie ihre Patienten unentgeltlich. Die Ärztinnen und Ärzte müssten sich
sodann entscheiden, zwischen der unentgeltlichen Behandlung ihrer Patientinnen und Patienten
einerseits und der lukrativen Einnahmen durch Tattooentfernung als privatärztlich zu liquidierende
Leistung andererseits. Möglicherweise werden sich Fachärzte dafür entscheiden, ausschließlich
dem lukrativen Geschäft der Tattooentfernung nachzugehen. Die Konsequenzen sind
voraussehbar.

Dass bei einer erfolgreichen Initiierung des Gesetzes die Patientenversorgung massiv verschlechtert
wird liegt auf der Hand. Dies widerspricht klar dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung, in dem die
Verbesserung der Patientenversorgung festgeschrieben ist.

Laserentfernung wird drastisch teuer und problematischer zu terminieren

Schließlich wird auch der Patient/die Patientin, die sich für eine Tattooentfernung entschieden hat, die
negativen Folgen zu tragen haben: Die Kosten für die Behandlung werden um ein Vielfaches steigen.
Deutlich längere Wartezeiten werden in Kauf zu nehmen sein.

Eventuell wird die Verordnung dazu führen, dass einige Ärztinnen und Ärzte ihren Eid komplett
gegen die Möglichkeit eintauschen, Geld zu verdienen. Ihre Kollegen werden in diesem Fall die
Heilaufgaben mit übernehmen müssen, obwohl sie schon mit den bestehenden Aufgaben überfordert
und unterfinanziert sind.

Probleme durch das neue Strahlenschutzgesetz

Neues Strahlenschutzgesetz – Problemzusammenfassung:

  • es wird noch schwieriger, einen Facharzttermin zu bekommen, auch im akuten Krankheitsfall
  • der Fachärztemangel wird drastisch verschärft
  • Fachärztinnen und Fachärzte werden in Zeiten knapper Budgets die lukrative
    Tattooentfernung der Heilbehandlung vorziehen
  • Preise für Tattooentfernung steigen, außerdem wird es weniger freie Termine geben, davon
    betroffen sind insbesondere diejenigen, die durch ihr Tattoo psychische Probleme haben
    und/oder berufliche oder gesellschaftliche Nachteile erleiden. Außerdem wird es auch bei der
    Tattooentfernung schwieriger sein, einen Termin zu erhalten
    Delegierung von Facharztaufgaben an medizinische Hilfskräfte zugunsten der
    Tattooentfernung
  • die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland wird noch weiter verschlechtert

Weiterhin machen wir auf eine Ungleichbehandlung zwischen den MitarbeiterInnen in der
Tattooentfernung und TätowiererInnen aufmerksam. Während bei der Tattooentfernung lediglich ein
Lichtstrahl in die Haut eindringt, wird beim Tätowieren die Haut tief mit Nadeln verletzt und
zusätzlich ein Fremdstoff unter der Oberhaut eingebracht. Das heißt, dass es beim Tätowieren viel
mehr Gründe für eine regulierende Regelung gibt.

Hintergründe zur neuen Verordnung im Strahlenschutzgesetz

Neues Strahlenschutzgesetz: Was sind die Hintergründe?

Im Jahr 2017 trat das neue Strahlenschutzgesetz in Kraft. Das Gesetz zum verbesserten
Strahlenschutz soll vorrangig die Bevölkerung vor den Folgen ionisierender Strahlung schützen. Die
neue Verordnung zielt jedoch auch auf den Umgang mit nichtionisierender Strahlung ab, zu der auch
das Lasern zählt – genauso wie die Strahlung, die hochenergetische Blitzlampen und Ultraschall
abgeben. Die Regelungen der Verordnung, die bis zum Ende des Jahres 2018 in Kraft treten soll, sind
dementsprechend weitreichend. Bisher konnten Mitarbeiter die Laser und Ultraschallgeräte bedienen,
die keine besondere berufliche Qualifikation dafür besaßen. Das Strahlenschutzgesetz selbst sollte
dafür sorgen, dass die Bevölkerung besser vor Strahlung geschützt ist – sowohl im radiologischen
Bereich als auch im Alltag, in dem der Mensch sowohl natürlich als auch künstlich produzierter
Strahlung ausgesetzt ist. Mit dem neuen Gesetz setzt die Bundesregierung zudem die internationale
Richtlinie 2013/59/Euratom des Europäischen Rates vom 5.12.2013 um. Röntgenverordnung und
Strahlenschutzverordnung bleiben zwar im Gesetz zu großen Teilen unverändert in Kraft, doch sowohl
Behörden als auch radiologische Mitarbeiter, Mediziner und gewerbliche Nutzer von radiologischen
Verfahren müssen sich neu orientieren. Das Gesetz zum Strahlenschutz verbindet dabei äußerst
wichtige Regelungen wie die Verbesserungen beim Notfallschutz, der Früherkennung schwerer
Erkrankungen wie Krebs (mit Hilfe von Radiologie und Teleradiologie), sogar die Reaktorsicherheit
deutscher Atomkraft und die Forschung um das Vorkommen und den Schutz vor Radon zusammen
mit der aus unsere Sicht problematischen Verengung der Nutzung von Verfahren, die lediglich
nichtionisierende Strahlung emittieren.

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