Kunst und Tattoos

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Franz Marc - Die großen blauen Pferde, 1911

In der Kunsthalle Emden ist noch bis zum 2. September eine Foto-Ausstellung zu sehen, in der es um Tattoos und um den Prozess der Tätowierung geht. Es sind dort schließlich nicht irgendwelche Tattoos zu bestaunen. Die von Zoe Thorne entworfenen Tattoos sind Gemälden wie Franz Marcs Blauen Pferden (siehe Bild) nach empfunden, die Kunsthalle Emden hatte eine Gemäldeauswahl dafür zusammengestellt. Die Berliner Tattoo-Künstlerin hat die Bilder nach Voranmeldung entworfen und am letzten Augustwochenende in der Kunsthalle gestochen. Das Museum verspricht sich davon mehr jüngere Besucher. Sind Tattoos mittlerweile eine eigene Kunstform? Oder welche Verbindungen finden sich hier noch?

Kunst mit Tattoos

Eines der bekanntesten Projekte rund um Tätowierungen und Kunst hat die US-amerikanische Künstlerin Shelley Jackson im Jahre 2003 begonnen. Die Schriftstellerin verfasste eine Kurzgeschichte, die nicht als gedrucktes Buch veröffentlicht wird, sondern Wort für Wort. Als Medium für “The skin project” hat sie sich die menschliche Haut ausgesucht. Freiwillige können sich immer noch bei ihr darum bewerben, mit dem Tattoo eines Wortes aus der Geschichte auf ihrer Haut zum Kunstwerk beizutragen. Insgesamt  benötige Jackson 2095 Freiwillige, denn so viele Wörter umfasst ihre Story, die niemand je ganz erfassen wird – bis auf den beteiligten, da sie die Geschichte und ihre Rolle darin abgeschrieben bekommen.
Kunst auf dem eigenen Körper
Einen gänzlich anderen Weg wählte der selbsternannte “Totalkünstler” Timm Ulrichs. Er nutzt den eigenen Körper als Leinwand und kommentiert darauf ironisch-plakativ bis philosophisch die Vergänglichkeit des Lebens, sowie den Werkbegriff in der Kunst. Ulrichs wird so selbst Teil eines übergreifenden Kunstwerks. Bereits in den siebziger Jahren begann er mit dem Tätowierer Horst Heinrich Streckenbach und dessen Schüler Manfred Kohrs künstlerisch zu kooperieren. Streckenbach tätowierte ihm 1974 eine Zielscheibe über dem Herzen, Kohrs stach ihm dann schließlich “The End” auf die Augenlider, als Sinnbild für das Ende des Lebens. Davor ließ er sich schon die eigene Unterschrift auf den Unterarm stechen – er ist eben ein echter Ulrichs und passend dazu steht auf seinem Fuß nun noch “Copyright by Timm Ulrichs”.  Daneben übertrug er seine Faszination an Tattoos  aber auch auf die Leinwand, er experimentierte mit traditionellen Tattoobilder als Motiven für seine Gemälde und im Rahmen einer seiner Ausstellungen fand bereits ein erstes Tätowierevent vor laufender Fernsehkamera statt.

Ist das Kunst, oder kann das weg?

Eher im kommerziellen Bereich angesiedelt ist dagegen das Label von Ed Hardy, dessen flammende Herzen und ähnliche Tattoobilder auf  T-Shirts etc. Madonna vor einigen Jahren populär machte. An der Grenze von Kitsch und Kommerz bemühte sich Hardy selbst aber immer darum, das Image von Tätowierern, Tätowierten und Tattoos zu verbessern. So zeigte er im Jahr 1996  in einer New Yorker Kunstgalerie die Ausstellung »Pierced Hearts and True Love«. Ein Jahrhundert Tattoogeschichte deckte er mit der Ausstellung ab. Wer sich ein Ed Hardy T-Shirt mit Tattoobild kauft, tut sich natürlich leicht mit der Entfernung: einfach ausziehen und weg ist das Tattoo. Bei Timm Ulrichs, Shelley Jackson oder Zoe Thorne muss man dagegen zum Tattooentferner. Wenn man sich von der Kunst denn überhaupt wieder trennen möchte…

 

Bild: Franz Marc: Die großen blauen Pferde, 1911. (c) Public Domain via wikimedia

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