Vorsicht bei Biotattoos

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Wenn überhaupt, dann muss man sich entscheiden: Ein richtiges Tattoo oder kein Tattoo. Alles was dazwischen angeboten wird, ist meist eine Mogelpackung und verschwindet bereits schnell wieder, doch leider nur teilweise. Oft bleibt ein hässlicher Rest. Der Anblick ist eine Katastrophe. Doch so viel kann man vorwegnehmen: Es gibt ein Happy End.

Dass ein Tattoo für die Ewigkeit gedacht ist, hat sich rumgesprochen. Nur einige wollen es wohl noch nicht so ganz wahr haben und glauben an angebliche Zwischenlösungen, wie das sogenannte Speed- oder Temporary Tattoo, das auch oft unter der irreführenden Bezeichnung Biotattoo kursiert. Angeblich wird hier nur die obere Epedimis eingefärbt und die unteren Hautschichten, die ansonsten die Farbpigmente aufnehmen, bleiben unversehrt. Ein Trugschluss. Allerdings kommt dieses Versprechen manch einem gerade recht.

Viele junge Leute hegen den Wunsch, sich ein Tattoo stechen zu lassen. Doch dann sind da auch immer die berechtigten Zweifel: Wie wird das in fünf Jahren aussehen? Wie wird das Tattoo wirken, wenn die Haut erst mal faltig geworden ist? Will man das überhaupt noch im Alter haben, ein Tattoo? Doch im Urlaub dann, fern ab von Alltag und Gewohnheit, wo Übermut und Tatendrang oft grenzenlos sind, fällt manche Entscheidung schnell. Und der Verstand? Na der ist halt auch auf Urlaub. Nur so könnte man sich erklären, dass vielen jungen Menschen dieses Angebot – diese Quadratur des Kreises in Sachen Tattoo– zunächst so gar nicht verdächtig vorkommt. Vielmehr noch: Viele halten das Biotattoo tatsächlich anfangs für die Lösung. Zwischen all den Souvenirs in sonniger Urlaubsatmosphäre werden oft ganz „spezielle“ Tattoos angeboten, die nicht ewig bleiben und angeblich erst nach einigen Jahren wieder verschinden, aber auch nicht früher. So das Versprechen. Vorsicht, muss man da leider sagen. Der Preis ist übrigens recht üppig: Ein sogenanntes „Biotattoo“ von etwas 15 cm2 Größe ist ab ca. 90 € zu haben. Ist es eventuell die teuere Ausbildung, die diesen Preis rechtfertigt? Nein, das kann es nicht sein, denn spezielles geistiges Eigentum muss hier niemand erwerben. Nur eine Urkunde, in die der angehende Bio- Tätowierer seinen Namen selbst einträgt, die muss er sich am Markt organisieren. Fertig!

Das ist vielen gar nicht bewusst, sie denken vielmehr: „Na, das ist doch genau das Richtige für mich und ein willkommener Kompromiss“, und treffen ganz schnell ihre Entscheidung: Ein Delphin soll es dann zum Beispiel sein. Sagen wir Fünfzehn Zentimeter groß. Doch so ein Souvenir aus Urlaubstagen kann dann schnell zum schrecklichen Andenken werden, an das man zwar noch lange denken muss, das jedoch in keiner guten Erinnerung bleiben wird. Kaum Zuhause angekommen, müssen viele bereits schnell das traurige Überbleibsel erkennen. Die Farben und die Linien sind blass und verschwommen; das Motiv teilweise schon verschwunden. Nur Wut und Verzweifelung sind noch da. Aber was ist nur mit dem Biotattoo passiert?

Die Antwort: Es gibt gar kein Biotattoo.

Wie eingangs gesagt: Man muss sich entscheiden. Entweder und Oder. Das Biotattoo gibt es nicht und so etwas funktioniert auch nicht, das bestätigen auch anerkannte Dermatologen und Laserspezialisten auf Anfrage. Entweder es gelingt die Pigmente nur in die Epidermis einzubringen, dann aber verschwindet das Motiv nach 28 Tagen und man kann schwerlich von einem Tattoo sprechen. Die zweite Möglichkeit wäre, dass tiefer gestochen wird. In diesem Fall ist es halt eben eine ganz normale Tätowierung und die bleibt für immer. Was hier bei dem sogenannten „Biotattoo“ rauskommt, ist nur eine Mischung aus Beidem. Man könnte sicher auch sagen, eine Mogelpackung. Doch genau diese unbeabsichtigte Mischung ist das Schlimme. Renommierte Dermatologen erklären weiterführend: „Die Oberhaut ist an unterschiedlichen Stellen des Körpers unterschiedlich dick. Wollte man tatsächlich die Pigmente nur gleichmäßig in die Epidemis einbringen, müsste es gelingen exakt in einem Bereich von 0,04 Millimeter zu arbeiten. Das ist unmöglich.“ So passiert es dann, dass nur einige Pigmente teilweise tiefer eingebracht werden, diese bleiben für ewig; teilweise liegen die Farben aber auch tatsächlich nur in der oberen Hautschicht und verschwinden schnell. Und der arme Delfin? Der kommt so schon nach wenigen Tagen ins „Schwimmen“. Wie das dann aussieht, kann man sich vorstellen.

Schrecklich. Fazit: Das angebotene „Biotattoo“ ist weder Fisch noch Fleisch. Es ist eine Katastrophe. Doch was nun?

Jetzt gibt es nur noch eine Lösung: Alles muss weg. Das beste Ergebnis lässt sich durch eine narbenfreie und schmerzarme Laserbehandlung erreichen. Nur so verschwindet das Dilemma. Schritt für Schritt. Wie das genau funktioniert, erklärt Markus Lühr, Geschäftsführer von Tattoolos in Berlin wie folgt: „Wir behandeln die gefärbte Hautstelle mit einem Spezial-Laser einem sogenannten gütegeschalteten (q-switched) Nd:YAG Tattoo Laser und erhitzen dabei die Farbpartikel für Sekundenbruchteile auf mehrere Hundert Grad Celsius. Die Partikel zerfallen dabei in viele kleine Teile und werden dann über das Lymphsystem abtransportiert.“ Was Lühr fairerweise hinzufügt: „Da der Laser ein Tattoo nur punktweise entfernen kann, sind je nach Größe sechs bis zwölf Behandlungen erforderlich. Das Ergebnis: Die Haut wird wieder schön und tattoolos. Im oben beschriebenen Fall, bleiben dann nur noch die schönen Urlaubserinnerungen. Zum Beispiel an die freundlichen Delfine im blauen Meer. Das ist dann tatsächlich echt Bio, oder besser gesagt echte Meeresbiologie.

Text: Robert Schütz ©

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